Gesundheit & Hormone

Inhalt
ToggleIch wollte keine Hormone – warum ich meine Meinung geändert habe
Eigentlich wollte ich nie Hormone nehmen.
Ich hatte großen Respekt davor. Schließlich hört man immer wieder von möglichen Risiken, und lange Zeit war ich überzeugt, dass ich die Wechseljahre irgendwie „natürlich“ schaffen würde.
Doch dann kamen die Beschwerden.
Nicht nur gelegentliche Hitzewallungen, sondern Schlafprobleme, damit einhergehende Tagesmüdigkeit, extreme Stimmungsschwankungen, trockene Schleimhäute und das Gefühl, dass mein Körper plötzlich nicht mehr derselbe war.
Irgendwann fragte ich mich:
Muss ich das wirklich einfach aushalten?
Heute verwende ich bioidentische Hormone und komme persönlich sehr gut damit zurecht.
Trotzdem habe ich weiterhin Fragen.
Wie lange darf ich sie eigentlich nehmen?
Und was passiert, wenn ich sie irgendwann wieder absetze?
Vielleicht beschäftigen dich dieselben Gedanken.
Was sind bioidentische Hormone?
Bioidentische Hormone haben die gleiche chemische Struktur wie die Hormone, die unser Körper selbst bildet.
Sie unterscheiden sich damit von manchen älteren Hormonpräparaten.
Wichtig ist jedoch:
Der Begriff „bioidentisch“ bedeutet nicht automatisch „natürlich“ oder „risikofrei“. Auch bioidentische Hormone sind wirksame Medikamente, sind verschreibungspflichtig und sollten immer ärztlich begleitet werden.
Warum Hormone so einen schlechten Ruf bekommen haben
Viele Frauen haben Angst vor einem erhöhten Brustkrebsrisiko durch Hormone. Diese Sorge ist verständlich und genau diese Sorge hatte ich selbst auch. Tatsächlich hängt das Risiko jedoch von verschiedenen Faktoren ab – unter anderem von der Art der Hormone, der Behandlungsdauer und den persönlichen Risikofaktoren. Deshalb ist eine individuelle Beratung so wichtig. Ich habe diese Entscheidung gemeinsam mit meiner Ärztin getroffen und lasse die Therapie regelmäßig überprüfen.
Der schlechte Ruf stammt vor allem aus einer großen Studie Anfang der 2000er Jahre, der Women’s Health Initiative (WHI).
Damals wurde breit berichtet:
„Hormone verursachen Brustkrebs.“
In den folgenden Jahren wurden die Daten jedoch noch einmal genauer ausgewertet. Dabei zeigte sich, dass die Situation differenzierter ist.
Nach dem heutigen Wissensstand hängt das Risiko unter anderem davon ab:
- welche Hormone verwendet werden,
- ob nur Östrogen oder Östrogen plus Gestagen gegeben wird,
- wie alt die Frau beim Beginn der Therapie ist,
- wie lange die Therapie dauert,
- und welche persönlichen Risikofaktoren bestehen (z. B. familiäre Vorbelastung).
Das bedeutet:
Es gibt nicht die eine Hormonersatztherapie.
Eine individuelle Beratung, in der auch die Lebensgewohnheiten einbezogen werden, ist wichtig. Rauchen, regelmäßiger Alkoholkonsum, Bewegungsmangel und starkes Übergewicht sind weitere Faktoren, die das Brustkrebsrisiko erhöhen können.
Warum ich mich schließlich dafür entschieden habe
Ich habe lange gezögert.
Doch irgendwann wurden meine Beschwerden so belastend, dass meine Lebensqualität deutlich litt.
Gemeinsam mit meiner Ärztin entschied ich mich schließlich für eine Therapie mit bioidentischen Hormonen. Heute verwende ich ein verschreibungspflichtiges Hormongel sowie Kapseln und komme damit persönlich sehr gut zurecht.
Für mich war das eine bewusste, sehr gut durchdachte Entscheidung – keine spontane.
Darf man ehrlich sagen, dass einem auch das Aussehen wichtig ist?
Ich habe die Hormonersatztherapie weiß Gott nicht begonnen, um jünger auszusehen. Dafür waren meine Beschwerden viel zu belastend. Aber ich wäre nicht ehrlich, wenn ich verschweigen würde, dass ich mich auch über die Veränderungen meiner Haut gefreut habe.
Ich hätte nie gedacht, dass ich die Veränderungen auch im Spiegel so deutlich bemerken würde. Nicht über Nacht und sicher nicht wie durch ein Wundermittel. Aber meine Haut wirkte mit der Zeit wieder frischer, etwas straffer und weniger trocken. Selbst meine Brust fühlte sich wieder fester an.
Natürlich weiß ich nicht, welchen Anteil die Hormone daran hatten und welchen meine Ernährung, mein Krafttraining oder meine Hautpflege.
Für mich persönlich stellen diese Veränderungen jedoch einen schönen Nebeneffekten der Therapie dar.
Gesundheit und Wohlbefinden gehören für mich zusammen – und dazu gehört auch, dass ich mich in meinem Körper wohlfühle.
Wie lange darf man Hormone nehmen?
Das ist eine der Fragen, die ich mir selbst immer wieder stelle.
Eine pauschale Antwort gibt es leider nicht.
Nach heutigem Wissensstand gilt: Die Dauer einer Hormonersatztherapie sollte individuell mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt abgestimmt werden. Dabei spielen unter anderem Beschwerden, Alter, persönliche Krankengeschichte und mögliche Risiken eine Rolle.
Früher wurde häufig empfohlen, Hormone möglichst schnell wieder abzusetzen. Heute sehen viele Fachgesellschaften das differenzierter. Manche Frauen profitieren auch über mehrere Jahre von einer Behandlung, wenn Nutzen und Risiken regelmäßig gemeinsam überprüft werden.
Nicht das Alter allein entscheidet wie lange Hormone eingenommen werden dürfen, sondern die individuelle Situation.
Was passiert, wenn man die Hormone absetzt?
Auch diese Frage beschäftigt viele Frauen – mich eingeschlossen.
Wenn eine Hormonersatztherapie beendet wird, heißt das nicht automatisch:
- dass sofort alle Beschwerden wiederkommen,
- dass die Haut über Nacht altert,
- oder dass man innerhalb weniger Wochen „zehn Jahre älter aussieht“.
Manche Frauen merken nach dem Absetzen kaum Veränderungen. Andere erleben erneut Hitzewallungen oder Schlafprobleme. Das lässt sich leider nicht zuverlässig vorhersagen.
Wie stark das ist, ist von Frau zu Frau unterschiedlich.
Deshalb würde ich Hormone niemals eigenmächtig absetzen, sondern immer gemeinsam mit meiner Ärztin überlegen, wann und wie der richtige Zeitpunkt dafür ist.
Gibt es Alternativen?
Ja.
Je nach Beschwerden können beispielsweise helfen:
- regelmäßige Bewegung
- Krafttraining
- ausreichend Eiweiß
- guter Schlaf
- Entspannungstechniken
- eine ausgewogene Ernährung
Bei stärkeren Beschwerden reichen diese Maßnahmen allerdings nicht immer aus.
Auch deshalb finde ich es wichtig, dass jede Frau individuell beraten wird.
Wenn du wissen möchtest, welche gesunden Gewohnheiten ab 50 hilfreich sind, lies gerne hier weiter:
Mein persönliches Fazit
Ich weiß, dass Hormonersatz ein sensibles Thema ist.
Deshalb möchte ich niemanden überzeugen – weder dafür noch dagegen.
Ich kann nur sagen:
Ich wollte ursprünglich keine Hormone nehmen.
Heute bin ich froh, dass ich mich nach sorgfältiger Abwägung gemeinsam mit meiner Ärztin dafür entschieden habe.
Für mich persönlich hat sich dadurch meine Lebensqualität deutlich verbessert.
Gleichzeitig werde ich die Therapie weiterhin regelmäßig überprüfen lassen und mir auch künftig die Frage stellen, was für meinen Körper langfristig sinnvoll ist.
Wie siehst du das?
Hast du Erfahrungen mit einer Hormonersatztherapie gemacht?
Hat sie deine Beschwerden verändert?
Oder hast du dich bewusst dagegen entschieden?
Ich freue mich über einen respektvollen Austausch in den Kommentaren.
FAQ
Sind bioidentische Hormone sicher?
Sie können für viele Frauen eine wirksame Behandlung sein, sind aber – wie alle Medikamente – mit Nutzen und möglichen Risiken verbunden. Die Entscheidung sollte immer individuell mit einer Ärztin oder einem Arzt getroffen werden.
Wie lange darf man bioidentische Hormone nehmen?
Das ist individuell unterschiedlich. Nach aktuellem Stand gibt es keine starre Höchstdauer. Entscheidend sind regelmäßige Kontrollen und eine gemeinsame Nutzen-Risiko-Abwägung.
Kommen die Wechseljahrsbeschwerden nach dem Absetzen zurück?
Das kann passieren, muss aber nicht. Manche Frauen haben erneut Beschwerden, andere kaum oder gar nicht.
Über die Autorin
Melanie beschäftigt sich seit vielen Jahren intensiv mit den Themen Longevity, Ernährung und gesundes Altern für Frauen ab 50. Auf StayYoung50up veröffentlicht sie wissenschaftlich recherchierte Beiträge, ergänzt durch eigene Erfahrungen aus dem Alltag. Sie ist außerdem Autorin des Buches Stay Young – Longevity für Frauen ab 50.
Mehr über Melanie
Das könnte dich auch interessieren
Gesundheit & Hormone
Hormone ab 50 regulieren: Tipps für mehr Wohlbefinden
Was hilft wirklich gegen Wechseljahresbeschwerden?
Ernährung & Longevity
Die 15 besten Anti-Aging Lebensmittel für Frauen ab 50 – stayyoung50up.de
Mein Weg zu weniger Bauchfett ab 50
Mentale Gesundheit
Gelassen älter werden: Warum uns Vergleiche unglücklich machen